Mittwoch, 10. Juni 2015

wüste Familienfeste



Level 5: Oliva nach Los Escullos (Cabo de Gata)

Dienstag 02.06.:

Durch unsere zusehends optimierte Vorbereitung am Abend, konnten wir gegen 10:30 Uhr unsere Reise in den Süden fortsetzen. Auf diesem Weg ein kräftiges Holá an Rainer und Sonja für die detaillierten Reisetipps. Diesen folgend planten wir in den Nationalpark Cabo de Gata zu fahren.
Die Cabo de Gata im Südosten Spaniens zeichnet sich durch ein besonders warmes und trockenes Klima aus und besitzt laut Wikipedia den Status eines Biospherenreservats.
In dieser Halbwüstenflora erreichen an nur 25 Tagen im Jahr Regentropfen den Erdboden, wodurch diese Region die trockenste Europas ist. Der geologische Ursprung liegt in der vulkanischen Aktivität, wodurch heute noch gut die ins Meer geflossenen Lavaströme erkennbar sind. Klingt vielversprechend....

Willkommen
Die Anreise gestaltete sich, dank unserer zwei süßen Mäuse im Heck des Gefährts, sehr unkompliziert und wir kamen am frühen Abend in Los Escullos an.
Um jedoch hier hin vorzudringen durchfährt man zunächst das gesamte Tomatenanbaugebiet der Welt. Rechts und links waren bis zum Horizont die Plantagen unter weißen Planen zu sehen. Eher unerotisch....
Wir nutzten die Gunst der Stunde und steuerten direkt die erste der unzähligen Buchten der Region an.

La Isleta del Moro lud uns mit ihrer schönen kleinen Bucht zum Verweilen ein. Wir genossen die Abendsonne und Franka ging mit ihrem neuen Kescher Fische fangen.
„Mama, ich hab keine Angst...Hier ein Fisch, schon gebraten!“



nicht kitschig
 Die Umgebung bot uns ein großartiges Panorama von wüstenähnlichen Gebirgen im Hintergrund und malerischen Sandstränden und Buchten im Vordergrund.

In der Bucht reihten sich einige nicht besonders große, aber dem geschulten Auge des Flachlandsurfers, durchaus fahrbare Wellen aneinander, so dass ich mich kurzerhand entschloss das Bodyboard zu wassern.
Die ersten zwei, drei Wellen waren erstaunlich vielversprechend.
Mit einem Mal verspürte ich einen heftigen Biss oder Stich in der rechten Achsel und der Brust. Eine Verletzung war nicht offensichtlich, aber der Schmerz nahm rasant zu, so dass ich mich zügig raus bewegte. Offensichtlich hatte mich eine Feuerqualle erwischt.
Der Schmerz war brennend und jede Bewegung des Armes war unangenehm, auch der Wind war an der Stelle eiskalt und stechend.
Eine sehr nette Frau mit einer ebenso netten, adretten und sprachbegabten Tochter, half uns zunächst mit einer antiseptischen Salbe und schickte uns zur örtlichen Apotheke. Die Tochter verwies derweil auf ihre Narben am Unerarm. Ebenfalls von einer „Medusa".
In der Apotheke gab es dann Hydrocortison zum Auftragen und die Schmerzen wurden nach etwa 2 Stunden erträglicher. In den folgenden Tagen schwoll das ganze noch ordentlich an und wie sich herausstellte, hatte mich das gesamte Gallerttier in meiner Achsel kontaktiert.

Quallenbranding

Ich vermute Opfer der Pelagia noctiluca – einer in der Nacht fluoreszierenden Leuchtqualle/ Feuerqualle geworden zu sein.  Nicht sehr gefährlich, aber eben schmerzhaft.
Sie kann einen Durchmesser von 10–12 cm erreichen. Die Farbe der Meduse reicht von einem blassen Pink bis hin zu  bräunlich, die Schirmoberfläche ist mit nesselzellenbewehrten Warzen überzogen. Die Fangtentakel sind mit zahllosen Nematozysten besetzt, die ihrerseits mit Proteintoxiden mit einer molaren Masse von 50–150 kDa gefüllt sind (Quelle: Wikipedia)

Pelagia noctiluca
In der Nacht wachte ich (Stephie) vom freundlich melodischen Surren einer Mücke auf....niemand und vor allem nicht diese Mücke konnte wissen, dass damit der Krieg ausgebrochen war: Wenn ich eins nicht ab kann, dann sind das stechende Tiere!!
Also mitten in der Nacht: Auf in den Krieg!!! Ich schnappte mir die Taschenlampe und erschlug, zunächst noch etwas aus der Übung und danach zunehmend routinierter, insgesamt 14 Mücken!!!! Sind die bescheuert oder was? 14?
Nach den ersten 12 wurde Franka mit Magenschmerzen wach und hatte leichte Magenprobleme, die mit einem Aufenthalt im Sanitärbereich endeten.
Demnach wurde das Gefecht qausi nur kurz unterbrochen. Franka vom Jagdfieber gepackt schloss sich nach überstandener Verstimmung an.
So konnte der Kampf von nunmehr zwei Amozonen-ähnlichen Wesen fortgesetzt werden.
(„Mama da ist noch eine, Mama mach die platt! Jaaa, super, getroffen“)
Aufgrund der Vielzahl von Mückenstichen in Frankas Gesicht am nächsten Tag, schied die längere Öffnung der einzigen nicht mückensicheren Tür im Wohnwagen aus.
Die maximal tolerierte Öffnungszeit der Eingangstür wurde auf 5 Sekunden reduziert. Alles darüber ahndete ich mit bösen Blicken und hektischem Zuschmeissen der Tür.


Busstop
Mittwoch 03.06:
Es war heiss...richtig heiss! Also schlossen wir die Zweiraderrkundungstour zunächst einmal aus und erschlossen die Umgebung in der Kühle unseres klimatisierten Vierrads. Wir fuhren durch verschlafene Fischerdörfer wie Las Negras, San José und Rodalquilar. 

Las Negras
 Etwas oberhalb von San José verließen wir befestigte Straßen und trauten uns auf die Schotterpisten, die uns zu diversen Buchten und Stränden führen sollten. Durch eine karge aber imposante Wüsten- und Vulkan-Bergkette fuhren wir mit unserer SUV (Sports-unimpossible-Vehikel)-ähnlich eingesetzten Familienkutsche den diversen Schlaglöchern ausweichend zur Punta del Monsul, Cala Chicré und Cala de la Media Luna.

Die traumhaften Buchten beschlossen wir dann noch einmal nachmittags zu erträglicheren Sonnenzeiten mit dem Fahrrad zu erradeln. 
Die 9 km bis zur Bucht von San José erschienen mit dem Auto noch lieblich und allenfalls hügelig, wurden mit dem Fahrrad aber schnell zu langgezogenen Aufstiegen mit deutlichen Höhenunterschiedenen. Naja 9km sind mit dem Fahrrad zu vertreten! Also strampelten wir mit der Sonne im Rücken fröhlich weiter.

San José
 In der Cala angekommen machten wir uns zu unserem neuen Lieblingssport auf:
Finde den optimalen Platz und richte dich am Strand häuslich ein. Dies gestaltete sich aber aufgrund des deutlichen Windes als schwierig. Es galt zum einen, den beiden kleinsten Reisenden ausreichend Schatten zu spenden, dabei jedoch  stets den Schutz vor direkter Sandstrahlung zu vermeiden.

Strand San José
 Bepackt wie Esel ging es nun zum Strand:
Auslegeware: Handtücher und Decke wurden in Windrichtung verlegt um klassischer Weise direkt wieder umzuklappen und die frisch eingeschmierte Orlina in Ruhe dem Erdboden „gleich“ zu machen.
Danach wurde versucht den Kinderwagen strategisch so zu positionieren, dass Franka darin weiter schlafen konnte und Orlina gleichzeitig Schatten spendete. Dieser Versuch mißglückte aufgrund des schnittigen Designs...nicht hoch genug, nicht breit genug etc. Also den erstandenen Sonnenschirm aufspannen und so niedrig wie nur irgend möglich einbuddeln.
Kurz zusammengefasst: Gesagt, getan, versagt, weggetan! Der Schirm wurde noch vor Ort begraben.
Nach diversen Malen des Wegfliegens und erneuten Einbuddelns, entschlossen wir uns zu einer kreativen, wie festen Bindung an das Kindertransportgerät. Nun schlug der Schirm mehrfach um und amüsierte neben uns auch die umliegenden Badegäste.
Seitdem verzichten wir auf  einen Sonnenschutz durch Sonnenschirm. Scheißteil!
Unterdessen war Franka irgendwann wach geworden. Der fortwährend blasend und in BÖhen aufkommende Wind peelte ihr die Haut, was durch hysterisches Kreischen quittiert wurde! Hervorragend! Es lief also! Die mit beiden Kindern vorgenommene Flucht ins Wasser entspannte die Gemüter.



Orlina machte, wie Franka vor zwei Jahren, ihre ersten Schritte, an den Händen gehalten, im Mittelmeer und freute sich über die Wellen ebenso wie die große Schwester.
Diese wurde fröhlich von Papa gegen die umschlagenden Wellen geschmissen. „Bauchklatscherwelleeee!“

Wir entschieden uns nach Abschluß dieses Stranderlebens im Strandlokal zu dinieren und entschieden uns für unseren ersten Steinbutt! (Franka: „Oh jaaaaa! Fisch! Mama ist mag Fisch!“  Mama: „Ist das unser Kind??“)


Gestärkt und entspannt fuhren wir mit einem schlafenden Baby und einem Sterne zählenden Kind durch die Nacht nach Hause.

Donnerstag und Freitag  04.06 & 05.06.:
Die nächsten zwei Tage bestimmte die Entspannung unseren Tagesablauf. Die Vormittage verbrachten wir primär am Wohnwagen und auf dem Mini-Spielplatz. 


 Wir planten nun erstmals unsere Weiterreise bis zum Ende durch und wussten etwas konkreter, wohin es uns in den nächsten Wochen verschlagen wird.

Poolparty
An den Nachmittagen fuhren wir dann jeweils zu den Buchten und genossen die Sonne, das Meer und den glitzernden Vulkansand, der zu super Prinzessinnensandburgen aufgetürmt wurde, fingen Seeigel und sogen die traumhafte Natur weiter in uns auf.

Sandstrahlschutz

Welle!!!


 Das obligate Eis am Tag sollte abschließend in Isleta del Moro eingenommen werden. Das klappte leider nicht auf anhieb, da Stephie das Geld vergessen hatte.
Kommentar der Tochter: „Mama ich bin gerne bei Dir“ – Pause - „aber wenn Du Dein Geld vergessen hast bin ich immer traurig!“ Achso, ja klar!


 Auf dem Rückweg schepperte es dann auf Hälfte der Strecke einmal ordentlich auf unserem Dach und im Rückspiegel landete der Reiseführer auf die Straße.
Interessanterweise konnte sich keiner erinnern ihn aufs Dach gelegt zu haben. Nachdem er geborgen werden konnte, alarmierte mich der Wagen, dass wir ohne Schlüssel fahren.
Technisch sinnvoll erscheint diese Information nur, wenn sich der Schlüssel zum Zeitpunkt der Zündung im Wagen befand, sich dann aber „entfernte“ (Keyless). Der Motor läuft erstmal weiter. Wir packten den Reiseführer wieder ein und glaubten zunächst an eine fehlerhafte Fehlermeldung. Am Wohnwagen angekommen, wurde der Motor gestoppt und es überkam uns ein unangenehmes Gefühl. Nun erlaubt die Keyless Entry-Technik unseres Autos zwar das Weiterfahren ohne Schlüssel, ein erneutes Starten des Motors ist aber selbstredend ausgeschlossen. Und – Er sprang nicht mehr an.
Also aufs Rad geschwungen und Schlüssel gesucht. Durch den fallenden Reiseführer konnte zum Glück die Strecke etwas eingegrenzt werden und der Schlüssel am Parkplatz der Bucht aufgefunden werden. Er muss vom Dach gefallen sein.
Interessanterweise konnte sich keiner erinnern ihn aufs Dach gelegt zu haben.


Oh wie schön....
Man kann aber, abgesehen von solch kleinen „Ausreißern“, getrost sagen, dass wir mittlerweile zum einen gut erholt und zum anderen im Urlaubsmodus angekommen sind. Die Kinder haben sich zusehends dem spanischem Biorhythmus angepasst (spät aufstehen, spät essen, spät ins Bett gehen) und wir genießen die Zeit miteinander sehr.
Am Abend ging es dann müde in Richtung Bett und Franka war sehr irritiert
Franka: „Mama! Die Sterne sind ja weg!“
Stephie: „Die sind hinter den Wolken.“
Franka: „Wieso? Haben die auch Angst vor dem Wind?“

Hier noch ein paar weitere Zitate:
„Wenn ich ganz groß bin, möchte ich ein Papa werden-  mit einem Penis und braunen Haaren, dann kann ich auch scharfe Melonen essen.“

„Und wenn ich eine Mama bin, möchte ich ein Baby kriegen...das Baby soll Matilda heißen und wenn es ein Junge wird Yunus!“


Keine Fragen mehr.

Hasta luego

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